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Teneriffa

Buntes Wunder im Atlantik

Keine andere kanarische Insel bietet solch große landschaftliche Vielfalt wie Teneriffa: Von goldenen Sandstränden bis zu nebligen Lorbeerwäldern ist alles vertreten. Sogar eine Mondlandschaft gehört dazu

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Traumstrand unter Palmen: Playa de las Teresitas
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Windmühle in Orotava: Hier wird geröstete Gerste zur Spezialität Gofio gemahlen

Hellgrün, moosgrün, dunkelgrün. Und dahinter das intensive Blau des Atlantiks. Das sind die Farben von
Teneriffa, oder man könnte es zumindest glauben, heute im Anagagebirge ganz im Norden der Insel, wo ich durch feuchten Lorbeerwald wandere. Nebelschwaden reißen immer wieder auf und geben den Blick frei auf sorgsam terrassierte Hänge, auf einsame Zedern und haushohe Kakteen, auf steile Felskliffs, an deren Füßen sich das Meer mit weißen Schaumkronen bricht. Dabei herrschen anderswo auf der Insel ganz andere Farben vor. Goldgelb an den Sandstränden von Los Cristianos und Adeje. Glänzendes Schwarz auf den Lavafeldern am knapp 4.000 Meter hohen Vulkan Teide. Und sattes Rot auf den Ziegeldächern von La Orotava. Teneriffa ist bunt, und das in jeder Hinsicht – es ist die vielfältigste aller kanarischen Inseln. 

Die Cañadas – eine Welt wie auf einem anderen Planeten

Auch der Teide rückt nun ins Bild und reckt seinen Kegel, den ganz oben ein paar Schneeflecken umkränzen wie eine Perlenkette. Vor etwa 100 Jahren ist er zum letzten Mal ausgebrochen. Die Cañadas dagegen – der Kessel in 2.000 m Höhe, aus dem er herauswächst – soll vor über einer Million Jahren als Folge eines gewaltigen Erdrutsches entstanden sein. Selten habe ich eine grandiosere Landschaft gesehen. Ein gewaltiger Himmel spannt sich über ockerfarbene Geröllfelder, die wie frisch umgestochener Ackerboden glänzen. Mattschwarze Schlackeströme. Beige Sandwüsten. Dazwischen immer wieder rötliche Steinblöcke, wie von Riesenhand herum-geschleudert. Es ist, als blickte man auf einen fremden Planeten. Nur die schwarz glänzende Asphaltstraße, die den Kessel auf einer Länge von 34 km durchquert, wirkt irdisch vertraut. Und natürlich die Grüppchen knallbunter Rennradler, die darüber hinwegsausen. „Höhentraining für den Giro d’Italia“, verrät mir einer von ihnen. 

Wandern ist ein Traum auf Teneriffa – es muss ja nicht gleich bis auf den Teidegipfel gehen

Die Cañadas sind Nationalpark, UNESCO-Weltnaturerbe und perfekt ausgeschildertes Wandergebiet. Es muss nicht unbedingt gleich der Teidegipfel sein, auch die kleine Wanderung zu den Roques de García ist schön. Eineinhalb Stunden lang stiefle ich durch Wüstenlandschaft und herrlichen Frieden. Die Sonne sinkt hinter die Kraterrandberge. Und Teneriffa wird auf einmal ganz rot.

Der Abschied vom fremden Planeten fällt nicht leicht. Auch, weil tausend Meter unter mir ein enormes Wolkenband aufgezogen ist und die Nordwestküste komplett zudeckt. Weit dahinter glitzert das Meer. Doch die Talfahrt lohnt sich. Als ich weiter unten aus dem Nebel wieder ins Freie komme, hat irgendjemand die Mondlandschaft gegen Barbados ausgetauscht. Grün und saftig blüht es durcheinander, wächst und wuchert es wie in einem Paradiesgarten. Hibiskus und Bananenplantagen, die riesigen Blüten der Engelstrompeten, langblättrige Mangobäume. Ein alter Mann schiebt eine verbeulte Karre mit dicken Papayas, drei roten Callas und einem Armvoll Petersilie die Straße entlang. Wo ewiger Sommer, reichlich Regen und fruchtbare Vulkanerde zusammentreffen, scheint vom bayerischen Küchenkraut bis hin zur Exotenfrucht alles zu gedeihen.

 Holzbalkons und bunte Fassaden in La Orotava

Sanft und freundlich neigt sich das breite Orotava-Tal dem blauen Atlantik entgegen. Im Städtchen La Orotava liegt der Duft von geröstetem Getreide in der Luft. In kleinen Mühlen wird hier immer noch geröstete Gerste und Mais zu Gofio gemahlen, dem kanarischen Hauptnahrungsmittel. Früher war die Stadt ein reiches Handelszentrum; noch heute reihen sich hier prächtige kanarische Patrizierhäuser aneinander. Die Architektur in La Orotava mit seinen Holzbalkonen und Innenhöfen ist maurisch inspiriert wie fast überall auf dem Archipel. 

In der ehemaligen Inselhauptstadt San Cristóbal de La Laguna fühle ich mich wegen der schachbrettartigen Straßenordnung dagegen eher an Südamerika erinnert. Kein Wunder, viele Kolonialstädte wurden nach denselben Prinzipien erbaut. Es ist eine Architektur, die Rückzugsräume vor neugierigen Blicken schafft, vor der Sonne und dem Atlantiklicht. Ein Licht, das die Stadt wie ein Messer in hell und dunkel teilt, klare Verhältnisse schafft und präzise Gedanken fördert. 

Das gilt auch für die aktuelle Inselhauptstadt Santa Cruz, die mit ihren breiten Boulevards, dem großen Hafen, einer großstädtischen Jugendstilarchitektur und den riesigen Meerwasserschwimmbecken im Parque Marítimo César Manrique außerdem allerschönste mediterrane Spanienatmosphäre vermittelt.

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