Lanzarote

Eine Insel wie ein Kunstwerk

Lanzarote, die dramatische Schönheit unter den Kanarischen Inseln, verdankt ihren besonderen Reiz dem Künstler César Manrique: Er setzte sie in Szene – und beschützte sie zugleich

Die Insel war seine Bühne. Er stammte ja von hier, war fortgegangen in die große, weite Welt und in New York als Künstler bekannt geworden. Dann aber kehrte César Manrique zurück und begann, sein Lanzarote zu bewahren. Und gleichzeitig zu verändern. Ende der Sechziger war das, die Urlauber entdeckten gerade die Kanaren, ihre Strände, das Meer, den endlosen blauen Himmel. Und Manrique? Ärgerte sich, dass Lanzarotes vulkanische Schönheit übersehen wurde. Touristen ließen die Insel damals links liegen. Wenn er hörte, dass man seine Heimat als „verbrannter Aschehaufen mit nix drauf“ bezeichnete, wurde er fuchsteufelswild. Also begann er, Lanzarote ins rechte Bühnenlicht zu setzen. Es gelang ihm mithilfe seiner Kunst. Mit seiner Starrköpfigkeit und seinem Charisma. Und seinen Visionen.

Heute begegnet man César Manrique auf Lanzarote immer und überall. Sein Wohnhaus, die Casa del Volcán, hat er mitten in einem Lavafeld in Tahíche errichtet. Und sich dabei zunutze gemacht, was er dort bereits vorfand: Die Wohnräume im Erdgeschoss hat Manrique in natürlichen Vulkanblasen eingerichtet, die er miteinander verband – ein bisschen sieht das Ergebnis aus wie eine Eigentumswohnung auf einem fernen Planeten irgendwo im „Star Wars“-Universum. Für das Obergeschoss wiederum ließ er sich von der traditionellen Inselarchitektur inspirieren. Die Casa del Volcán ist heute Sitz der César-Manrique-Stiftung und gehört zu den beliebtesten Attraktionen der Insel. Ein Besuch hier ist ein wunderbarer Einstieg für alle, die vielleicht zum ersten Mal auf Lanzarote sind und gerne etwas darüber erfahren möchten, wer dieser Mann war, der heute wie eine Art Inselheiliger verehrt wird.

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Wilde Schönheit: Papagayo-Beach vor Vulkanlandschaft
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Was fürs Auge: In den Jameos del Agua verband Manrique vulkanische Natur mit Kunst
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Alles andere als karg: Papas arrugadas, Tortilla und andere typische Tapas
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In der Casa del Volcán hat die César-Manrique-Stiftung ihren Sitz
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Grün und weiß Gekalktes, wie hier in Teguise, harmoniert mit der Vulkanlandschaft

Das Gefühl, dem Himmel näher zu sein

Auch im Casa-Museo César Manrique in Haría („Haus im Palmenwald“) können Besucher nachvollziehen, wie sehr Lanzarotes Landschaften den Künstler inspiriert haben. Und wie wichtig es ihm war, dass man sie immer im Blick haben konnte, von Terrassen und aus Fenstern, die ein bestimmtes Naturdetail umfassten wie ein Bilderrahmen ein Gemälde. Manriques Ideen finden sich auch im weitverbreiteten, architektonischen Reinheitsgebot vieler Ortschaften mit ihren weißen Häusern, die von Weitem aussehen wie Würfelzucker auf schwarzem Gestein. Sie stecken in der Abwesenheit jener riesigen Reklametafeln, die andere Urlaubsinseln verschandeln. Und – ganz nebenbei und gleichzeitig vor allem – in den Panoramen, die Lanzarote zu bieten hat: Ohne Manriques Einsatz hätten Urlauber heute wahrscheinlich nicht diesen meist unverbauten Blick auf Vulkankegel, Schlackefelder und den Atlantik. Und auf die berühmten Strände der Insel ebenfalls nicht.

Denn zusammen mit dem Präsidenten des Inselrats verhinderte Manrique in den Siebzigern die schlimmsten Exzesse des Massentourismus. Er rettete alte Bauernhäuser vor der Abrissbirne, entfernte in Nacht- und Nebelaktionen die bereits abgesteckten Claims für geplante Hotelanlagen und zog gegen Spekulanten ins Feld. „Sie verschandeln die Landschaft und zerstören die Dörfer“, schimpfte er über jene, die Lanzarote bedenkenlos verbauen wollten: Das sei, als ob eine internationale Mafia die Niagarafälle einbetonieren wolle. Oder den Prado in Madrid plündern würde.

Mit den Augen César Manriques sehen

Manriques Einfluss half, dass ein großes Stück der Insel als Timanfaya-Nationalpark unter Schutz gestellt wurde. Mit dem Mirador del Río gestaltete der Künstler dort eine Aussichtsplattform, auf der Besucher das Gefühl haben, dem Himmel ein Stück näher zu sein. Von hier oben, hoch über dem Wasser, kann man gewissermaßen mit den Augen Manriques in die Welt sehen. Weit aufs Meer hinaus bis nach La Graciosa, der kleinsten bewohnten Insel der Kanaren, die mit ihren weißen Kuben­­häuschen und ihren Sanddünen flach im blauen Atlantik zu schwimmen scheint.

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Wie ein gerahmtes Bild: der Blick aus dem Mirador del Río nach La Graciosa
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Salz aus dem Meer: die Salinas de Janubio im Süden Lanzarotes
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Vulkangipfel im Nationalpark Timanfaya
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Garen mit Geothermie: Grill über Vulkanschacht

Manrique ist in der Inselhauptstadt Arrecife aufgewachsen und hat auch dort seine Spuren hinterlassen. Das Museum für Zeitgenössische Kunst am Hafen zum Beispiel entstand unter seiner Leitung. Für das Vorzeigeprojekt ließ er die alte Festung (die man im 18. Jahrhundert zum Schutz vor Piraten erbaut hatte) zu einem der ersten und ambitioniertesten Zentren für moderne Kunst in ganz Spanien umwandeln. Die Vergangenheit Lanzarotes mit seiner Gegenwart zu verbinden: Auch das war Teil seiner Vision, die Insel zu einem Reiseziel mit Zukunft werden zu lassen.

Wer in Arrecife unterwegs ist, begegnet César Manrique auch an vielen anderen Orten. Auf der Plaza de Las Palmas hat er seinen ersten öffentlichen Raum gestaltet – und mit Bänken, Beeten, Schatten spendenden Bäumen und weiß gekalkten Mauern einen Ort entworfen, dessen Harmonie das Auge beruhigt. Auch das El Almacén – eine Villa, die Manrique in den 1970er-Jahren zu einem selbstverwalteten Kulturzentrum umgestaltete – zeigt sein ästhetisches Konzept. In den Jameos del Agua wiederum ließ er Vulkanfels mit Wasser und Licht zu einem Ort werden, der selbst All Inclusive-Urlauber in Manchester-United-Trikots in andächtige Stille versinken lässt. Und sein Jardín de Cactus beweist, dass sogar eine Ansammlung stacheliger Gewächse Grandezza entwickeln kann.

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Zu den Ausflügen

Lanzarotes Landschaften wirken manchmal, als seien sie nicht von dieser Welt, als gehörten sie auf einen anderen Planeten weit draußen im All, losgelöst von Raum und Zeit. Manrique hat das erkannt – und die außerirdische Schönheit seiner Heimatinsel für alle sichtbar gemacht, die zu sehen bereit sind. Seine Casa del Volcán steht übrigens an einer Stelle, die ihm bei einem Ausflug nach Tahíche aufgefallen war. Mitten aus dem Lavagestein wuchs dort ein Feigenbaum mit sattgrünen Blättern. Finn Marten

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