Portugal
Entlang Europas hoher Kante
Von Lissabon über Sines und Cabo São Vicente bis an die Strände der Algarve: ein aussichtsreicher Roadtrip durch den Südwesten Portugals
Wie kann jemand hier einfach nur schauen? Diese Pracht will doch fotografiert werden! Wir stehen auf dem höchsten Aussichtspunkt Lissabons, dem Miradouro da Senhora do Monte. Während ich wild knipse, guckt mein Freund einfach nur so über die Dächer. Weit unten fließt der Tejo silbern schimmernd dem Atlantik entgegen. Hier oben pfeift der Wind, als wolle er uns in Fahrt bringen. Und recht hat er. Heute Morgen startet unsere Autotour. Wir wollen an der Küste entlang bis zur Südwestspitze Portugals fahren, dann weiter Richtung Osten nach Faro. Je ein gutes Stück Alentejo- und Algarve-Küste. Das wird ein paar Tage dauern – schon, weil ich jedes Mal „Stopp“ rufe, wenn mir ein grandioser Atlantikblick vor die Kameralinse kommt.
Vom quirligen Lissabon ins stille Alentejo
Die Hängebrücke „Ponte 25 de Abril“ spannt sich wie ein Symbol des Übergangs über den Tejo. Hinter uns die dicht besiedelte Großstadt, vor uns die Region mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte Portugals: Alentejo. Nach gut einer Stunde Fahrt durch das Land sagen wir wie aus einem Mund: „Aaaah, das Meer!“ Genauer: die Bucht von Setúbal. In der Mündung des Sado-Flusses hat sich vor langer Zeit eine Gruppe von Großen Tümmlern angesiedelt. Mit Glück schauen die Delfine genau dann auf einen Sprung vorbei, wenn man auf einem Beobachtungsboot sitzt. Wir hingegen nehmen die Fähre rüber nach Tróia. Die schmale Landzunge ist ganz nach unserem Geschmack: rechts und links Wasser. Durch Reisfelder und Lagunen geht es schnurgerade nach Comporta, dann über Hügel und durch Ortschaften zum großen Hafen der Kleinstadt Sines. Riesige Frachter schaukeln im Wasser. Wie wohl die Schiffe zur Zeit Vasco da Gamas ausgesehen haben? Der Mann, der den Seeweg nach Indien entdeckte, wurde vor gut 550 Jahren in Sines geboren.
Essen im Restaurant Pabe
Rebhuhn in Jerez-Essig, Tintenfisch im Sauerteigbrot: Das Lokal ist gestaltet wie ein luxuriöser Pub und serviert kreativ-portugiesische Küche. Sehr beliebt, auch wegen der guten Weine.
Museu Rafael Bordalo Pinheiro
Das nach dem Künstler benannte Museum zeigt neben Bildern vor allem Keramikarbeiten: Pflanzen, Früchte und Gemüse, naturgetreu und oft mit karikaturistischem Dreh.
Flanieren im Jardim da Estrela
Zwischen Ententeich, Pavillon, Palmen, mannshoher Aloe vera und duftenden Rosenstöcken scheint die Stadt auf einmal ganz fern.
Am nächsten Tag wird’s eng. Die Straße Richtung Porto Covo führt anfangs zentimeter-dicht an den Klippen entlang. Hui! Weil mein Freund fährt, kann ich mich ganz meiner Seh-Sucht aufs Blaue hingeben. Haltlos fotografiere ich durch die Scheiben, bis wir Vila Nova de Milfontes erreichen. Hier zieht es uns an den breiten Sandstrand, wo das Wasser flach und ruhig ist – genau richtig, um sich entspannt in den Abend wiegen zu lassen.
Mehr Meer hat man nur auf offener See
Umso aufregender ist anderntags die Weiterfahrt, wieder scharf an den Klippen entlang. Von Fotostopp zu Fotostopp wird die Aussicht großartiger. Da ist dieser Felsvorsprung in Form eines Schiffsbugs. Am Horizont fließen helles Himmelblau und ein Ozean aus dunkelblauen Glitterpixeln ineinander. Senkrecht unter uns krachen Wellen gegen Granitklippen. Ich drehe den Kopf rechts und links bis über die Schultern: alles blau. Mehr Meer hat man nur auf hoher See. Oder wenn man in der Brandung auf die perfekte Welle wartet, so wie die Surfer, die wir später an der Praia do Amado sehen.
Es ist Nachmittag, als wir am Cabo São Vicente ankommen, der Südwestspitze Europas. Wind, schroffe Felszungen, darüber Drama-Wolken. Das Kap wird von einem Festungsring dominiert – und von vielen Besuchern. Bald zieht es uns weiter. Nach Osten nun, ins Fischerdorf Burgau, das sich mit seinen weißen Häuschen viel ursprünglichen Charakter bewahrt hat. Dazu passt das portugiesische Lebensgefühl aus Melancholie und Leichtigkeit, das die Menschen in den Cafés ausstrahlen. Nächste Station ist Lagos, wo wir durch die Altstadt zum Yachthafen schlendern. Hier picken wir uns unter den vielen Fischlokalen eines heraus, das rustikal, laut und voll ist. Eine gute Wahl.
©stock.adobe.com/ricardomffZum Frühstück gibt’s Pastéis de Nata (Puddingtörtchen) und danach einen Abstecher zur Burg von Silves, ein 12.000 Quadratmeter großes Freiluftmuseum. Wir spazieren auf der Mauer drum herum und fahren dann weiter gen Osten. Ursprünglich wollten wir einen Kajakausflug zur Benagil-Höhle machen, aber der Zugang ist aus Naturschutzgründen limitert, und für die Anmeldung sind wir zu spät dran. Nicht so schlimm, es gibt noch genug zu erleben.
Faro – Storchennester und Orangenbäume
Die hellen Strände der Algarve ziehen sich zu unserer Rechten wie ein goldenes Band. Ein sanftes Spiel von Licht und Sandkörnern. Uns gefallen besonders die kleinen Strände zwischen Praia da Galé und Albufeira. Feiner Sand, kristallklares Wasser. Rein ins Vergnügen! Unser Zielpunkt Faro wird oft als Stadt für die Durchreise unterschätzt. Doch wir bummeln begeistert durch die historische Altstadt, besuchen die mächtige gotische Kathedrale und freuen uns über die vielen schönen Gebäude, die mit bemalten Keramikfliesen, Azulejos, verziert sind. Die Hauptstadt der Algarve überrascht uns mit ungefähr so vielen Orangenbäumen und Storchennestern wie Cafés.
Hinter Faro beginnt eine famose Lagunenlandschaft, der Naturpark Ria Formosa. Ein Faszinosum aus Wasserarmen, Sandinseln, Wattflächen, Sumpfgebieten und Sandstränden. Flamingos stolzieren durch Salzwiesen oder stehen unbeweglich. Auch mein Freund rührt keinen Finger. Er guckt einfach nur. Hm. Ich probiere das jetzt auch mal. Je länger ich diese eleganten Tiere in der Abendsonne betrachte, umso magischer ist die Szenerie. Allmählich zerfließt mein Drang, alles mit der Kamera festhalten zu wollen.
Doris Ehrhardt
Hoteltipps Portugal
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